
Kein Raum für Angst: Wie DC in „Lanterns“ toxische Männerbilder dekonstruiert
Achtung! Spoiler-Warnung:
Um in diesem Beitrag in die Tiefe zu gehen, muss ich die Handlung der Serie Lanterns spoilern. Du solltest die Serie bereits gesehen haben oder den Text erst danach lesen.
Beim Schauen der Lanterns-Serie wurde ich verdammt gut unterhalten, doch immer wieder musste ich mir selbst die Frage stellen: Verbirgt sich dahinter eine tiefere Metapher? Jetzt, nachdem die Serie beendet ist, kann ich sagen: Ja, absolut! Denn wenn man genau hinsieht, bricht Lanterns toxische Männerbilder auf und kritisiert die Projektion elterlicher Träume auf ihre Kinder. Wie das erzählerisch eingebaut wurde und warum es so gut zur Green-Lantern-Saga passt, erkläre ich dir jetzt.
Kenne keine Angst
John Stewart wurde sein Leben lang darauf vorbereitet, in die Fußstapfen einer Green Lantern zu treten. Das bedeutet, es darf keine Furcht geben, sondern nur die pure Willenskraft, alles zu schaffen. Dafür musste er als Kind buchstäblich durch die Hölle gehen und seine Jugend sowie ein normales Leben für diese eine Sache opfern. Aber nicht nur er, sondern auch seine Eltern mussten ihrem Kind alles abverlangen und dabei immer wieder um sein Leben bangen. Das zeigt eindrucksvoll die Szene, in der die Mutter John in einem kriminellen Viertel aussetzt und ihn allein nach Hause laufen lässt – während sie zu Hause fast umkommt vor Angst, was mit ihrem Sohn geschehen könnte.
Das steht sinnbildlich für ein verqueres, gesellschaftliches Ideal. Denn gerade Männern wird oft beigebracht, sie dürften keine Gefühle oder Schwächen zeigen. Emotionen wie Angst oder Schmerz sind tabu. Hier wird also dieses schädliche Ideal geschickt mit der Figur der Green Lantern verknüpft. Das geschieht jedoch sehr subtil und ich wette, dass die meisten Zuschauenden das gar nicht sofort bemerkt haben. Aber mit dieser Verknüpfung allein ist es nicht getan.
Der Bruch des Männerbildes
Das Geniale an der Serie ist nicht nur diese Metapher an sich, sondern wie wir bei John Stewart im Laufe der Handlung eine starke Charakterentwicklung erleben. Zunächst sehen wir, wie Hal Jordan als personifiziertes Abbild dieses Ideals immer mehr zerfällt. Das sieht Stewart natürlich mit an, wodurch auch das heldenhafte Bild der Green Lantern für ihn zunehmend Risse bekommt – während er sich selbst weiterentwickelt und seinen eigenen Weg finden muss.
Das geht bis zu dem Punkt, an dem er sich komplett vom Lantern Corps abwendet, noch bevor er überhaupt ein richtiges Mitglied wurde. Wir sehen das in der fünften Folge, als die Situation in Rushville eskaliert, Hal Jordan katastrophale Entscheidungen trifft und viele Menschenleben gefordert hat. Sowohl für Hal als auch John hat sich das heldenhafte Leben als Lantern erledigt.
Am Ende der Serie wird John zwar doch noch eine Lantern, aber eben zu seinen eigenen Bedingungen und mit seiner ganz persönlichen Bürde, die perfekt zu seiner Vorgeschichte passt.
Stewards eigener Weg
Nachdem John den Plan aufgegeben hatte, in die Fußstapfen von Hal Jordan zu treten, kümmerte er sich um sein eigenes Leben. Er vereinte in seinem Beruf zwei Dinge, die er sehr gut konnte: Dinge erschaffen und zeichnen. Er wurde Architekt im Bereich der Sicherheit – das war seine Art, der Welt mit seinen Fähigkeiten etwas zurückzugeben. Er hat auch versucht, die Wogen zu seinen Geschwistern zu glätten. Immerhin gelang ihm das mit einem seiner beiden Brüder, mit dem er sogar die Architektur Firma aufgebaut hat. Doch das Aufgeben seiner vorbestimmten Rolle und das damit verbundene Reflektieren seiner Kindheit hatten ihren Preis.
Der Bruch mit dem Familienwunsch
Stewart hat den Kontakt zu seiner Familie stark zurückgefahren. Mit seiner Mutter redet er kaum noch und sein Vater ist Alkoholiker geworden. Letzterer ist in der Serie kaum präsent und wir Zuschauenden bekommen auch kaum Infos, was genau mit ihm passiert ist. Dieser Bruch mit den Eltern ist eine direkte Konsequenz der elterlichen Projektion auf John. Da der Vater einst versagte und die Rolle der Green Lantern aufgrund seiner eigenen Angst nicht einnehmen konnte, wurde John sein ganzes Leben lang als Ersatz darauf vorbereitet.
Dieser immense Druck sorgte dafür, dass die familiäre Beziehung für dieses eine Ziel geopfert wurde – genauso wie Johns Kindheit. Was ich dabei erzählerisch sehr stark fand, war die Nuance, dass es dennoch kein Leichtes für die Eltern war und letztlich auch ihre eigene Beziehung an dieser Last zerbrach. Die Serie zeigt hervorragend, dass das Aufbürden eigener Träume auf das Kind selten gut ausgeht und der Preis am Ende viel zu hoch ist.
Von toxischen Rollenbildern und Elternwünsche
Lanterns demonstriert eindrucksvoll, wie sinnlos solche festgefahrenen Erwartungen sind. Letzten Endes muss jeder seinen eigenen Weg gehen und seine eigene Persönlichkeit entwickeln. Das gilt nicht nur für Stewart, sondern auch für Jordan, der am Ende seiner Superhelden-Rolle nicht mehr gerecht werden konnte, wodurch sein Vermächtnis massiv gelitten hat. Das steht im starken Widerspruch zu seinem alten Ich, das wir zum Schluss ja ebenfalls noch kennenlernen durften.
Zwar wurde Stewart am Ende der Serie dennoch eine Lantern, aber eben auf eine völlig andere Art. Er ist kein Mitglied des Corps und nimmt auch nicht deren Befehle an. Er wird zum Beschützer der Erde, ganz nach seinen eigenen Regeln. Dabei trägt er die Sünden des Corps förmlich mit sich: Seine Laterne wurde mit der Furcht von Sinestro geschmiedet, und mit jeder Benutzung seines Rings wird er mit seinen eigenen Ängsten konfrontiert. Das ist der Preis, den er für seine Freiheit zahlt. Es ist ein Symbol für die Rollenbilder, die er zwar durchbrochen hat, die ihn aber sein Leben lang begleiten werden und derer er sich immer bewusst bleiben muss. Eine ständige Erinnerung an den harten Weg, der ihn zu dem gemacht hat, der er heute ist.

Seit über 5 Jahren schreibe ich Texte und Rezensionen zu allen möglichen Themen und Bereichen, die mich interessieren.

















