Serien-Review: Lanterns

Mit Lanterns ist für das Jahr 2026 die erste große Serie aus dem neuen DC-Film- und Serien-Universum unter der Leitung von James Gunn entstanden. Bereits das Casting von Aaron Pierre und Kyle Chandler als Jon Stewart und Hal Jordan hat für enormes Aufsehen und Begeisterung gesorgt. Diese Begeisterung konnte auch einem ersten Trailer standhalten und hat die Fangemeinde nur noch weiter angeheizt. Die Serie ist nun komplett auf HBO Max abrufbar, und ich möchte euch hier im Detail erklären, wieso sie in meinen Augen so gut funktioniert.

Produktionslevel und Machart

Zu Beginn startet die Serie eher unaufgeregt. Für eine Weltraum-Polizei – was das Green Lantern Corps im Kern ja sind – wirkt der Einstieg sogar eher unspektakulär. Wir sehen Hal Jordan, wie er auf Befehl des großen Rats der Lanterns einen neuen Rekruten, Jon Stewart, als neue Lantern anlernen soll. Sichtlich gefällt Hal Jordan diese neue Aufgabe nicht.
Doch als eine Schießerei auf dem Footballfeld der Kleinstadt Rushville einen mysteriösen Alien-Fall auf den Plan ruft, ändert sich nicht nur die Beziehung der beiden, sondern auch die gesamte Mission. Das Pacing der Serie ist dabei nie langweilig oder zu langsam. Es wird sich an den richtigen Stellen Zeit für Charakteraufbau und -entwicklung genommen. Dabei hat es die Serie zumindest bei mir konstant geschafft mich an den Bildschirm zu fesseln.
Schauspielerisch bewegt sich Lanterns auf einem großartigen Level. Die beiden Hauptdarsteller funktionieren zusammen hervorragend und haben eine tolle Synergie, auch wenn die Stimmung oft angespannt bleibt. Lanterns glänzt jetzt nicht durch krasse Kamerafahrten oder besonders experimentelle Aufnahmen, muss es aber auch nicht, da die grundsätzlichen Kameraeinstellungen und der gesamte Look durchweg überzeugen. Eine größere Überraschung, was die Perspektive angeht, gibt es aber dennoch – die möchte ich euch hier allerdings nicht spoilern. Freut euch einfach auf Folge fünf.
Aber auch die Effekte sehen durchweg super aus und machen sehr viel Spaß. Zudem sind sie, Lantern-typisch, extrem kreativ eingesetzt – etwa, wenn Hal eine Art Bombe per grünem Wirbelsturmgebilde hoch in die Luft katapultiert, damit sie gefahrlos im Himmel explodiert und möglichst wenig Schaden anrichtet. Wie die Effekte ausfallen und aussehen, war für mich im Vorfeld mitunter der größte Faktor bei dem ich bedenken hatte. Meine Befürchtung, dass die Effekte nicht gut aussehen, wurden aber recht schnell ausgeräumt. Auch wird mit den Effekten nicht übertrieben, was mir sehr gut gefällt.
Doch wie steht es um den Bezug zu den Comics?

Wie comic-akkurat ist Lanterns

Grundsätzlich ist das immer schwer zu beantworten, da eine Comic-Verfilmung nie komplett werkgetreu sein kann, zumal es über die Jahre so viele verschiedene Verkörperungen der Figuren gab. Ein bisschen lässt es sich aber eingrenzen.
Bei Hal Jordan zum Beispiel wird uns in der Serie ein Held präsentiert, der bereits gealtert ist und schon etwas an heldenhaftem Glanz eingebüßt hat. Gleichzeitig – und das ist der wichtige Bezug zur Comic-Vorlage – bleibt er charaktertypisch genau das impulsive, drauflosstürmende Großmaul, das gerne mal als Arschloch rüberkommt. Doch mit seinem sympathischen Lächeln sammelt Hal schnell wieder Sympathiepunkte. Ich würde daher sagen, dass Hal absolut comic-akkurat getroffen wurde. Es ist eben nur nicht die strahlende, junge Version, sondern der gealterte Rebell. (Dahinter steckt sogar ein bewusster Hintergedanke, aber dazu mehr im Spoiler-Bereich am Ende).
Was ich gerade bei Hal auch super fand, ist, dass er wie in den Comics einst Testpilot fürs Militär war – genau wie sein Vater.
Hal ist dadurch für mich nicht nur nah an der Vorlage, sondern auch eine nachvollziehbare Person. Ein Held, der bereits zu oft mit seinen Vorgesetzten aneinandergeraten ist, der einen Freund verloren hat und dadurch am Green Lantern Corps zweifelt.
Bei Jon Stewart verhält es sich jedoch etwas anders.

Die nicht so kanonische Umsetzung

Ein bisschen weniger werkgetreu ist bei Stewart die Geschichte, wie er in dieses DC-Universe eingeführt wird. Dass Hal Jordan einen anderen Lantern anlernt, ist eher untypisch für die Regeln des Corps. Eigentlich erwählt der Ring einen Träger, worauf man sich nicht vorbereiten oder trainieren kann. Man arbeitet auch nicht sein ganzes Leben darauf hin, sondern wächst mit der Zeit in diese Rolle hinein. Das war bei Hal Jordan damals nicht anders. Hier bricht die Serie also ganz klar mit der Comic-Vorlage.
Ich verstehe aber, warum die Autoren diesen Weg gewählt haben. Man möchte gerade bei den Green Lanterns nicht erst über Jahre hinweg Vorgeschichten erzählen, um dann nach und nach Figuren einzuführen, sondern bindet sie mehr oder weniger direkt und gleichzeitig in einer Serie ein – vor allem, wenn erzählerisch auf bestimmte, große Ereignisse aus der Comic-Welt hingearbeitet wird. Es ergibt zudem Sinn, dass das Corps eine Nachfolge für Hal Jordan aussucht, noch bevor dieser verstorben ist, da das Vertrauen zwischen Jordan und dem Lantern Corps ohnehin schon beschädigt ist.
Aber nicht nur die Art, wie Stewart eingeführt wird, ist untypisch, sondern auch sein Charakter-Hintergrund. Er wird in dieser Geschichte von klein auf für die Rolle des Lanterns erzogen, um möglichst furchtlos zu sein. So sollte er der bestmögliche Kandidat für den Ring werden – und der Plan ging auf. Vorher ging Stewart noch zum Militär und war dort als Scharfschütze tätig. Dort lernte er Disziplin und das Ausführen von Befehlen. Das passte dem Lantern Corps sehr gut ins Konzept.

Die Abweichung zur Comic Vorlage

Nach der Vorlage gibt es zwei Origin Geschichten von Steward. In der ersten Version war John ein ausgezeichneter Architekt, was sich für die Bildnisse eines Lanterns hervorragend geeignet hat. Außerdem war er, da der Charakter in den 70ern eingeführt wurde, Teil der Black Panther Bewegung. Später im Jahr 2001 wurde dies dann geändert und Steward bekam einen Marine Hintergrund. Also wie in der Comic Vorlage, mit nur einem Kniff, der sich dann auch noch ausweitet im Laufe der Handlung. Steward ist künstlerisch begabt und somit werden zumindest teilweise die beiden Origins vereint.
John macht auch im Vergleich zu Hal die deutlich größere Charakterentwicklung durch, wenn auch Hals Geschichte besonders in den letzten beiden Folgen eine Wendung annimmt.
Kommen wir zum Fazit.

Mein Fazit:

Lanterns startet als eine Art Buddy-Kriminalfall mit zwei Personen, die sich anfangs kaum ausstehen können und nur darauf warten, den anderen loszuwerden oder zu übertrumpfen. Neben dieser Beziehungsdynamik steht der rote Faden des Kriminalfalls im Mittelpunkt, durch den sich viele Nebenschauplätze auftun. Diese lenken aber nie vom großen Ganzen ab, sondern fließen nahtlos ineinander und bieten in Form von Rückblenden immer wieder Charakterentwicklung und Kontext.
Die Dynamik und die Dialoge der beiden Hitzköpfe sind dabei mit das Beste an der gesamten Serie. Das funktioniert wirklich super und es macht einfach Spaß, den beiden Schauspielern dabei zuzusehen. An dieser Stelle muss man betonen, dass grundsätzlich der gesamte Cast seinen Job verdammt gut macht. Optisch sieht die Serie hochwertig aus und auch die Effekte können sich absolut sehen lassen. Man spürt, dass großer Wert auf ein starkes visuelles Gesamtbild gelegt wurde. Was der Serie dabei extrem zugutekommt, ist der Umstand, dass es hier nie ein klares Schwarz-Weiß oder ein simples Gut gegen Böse gibt. Das verleiht allen Figuren eine enorme Tiefe, was besonders im Hinblick auf die letzte Folge seine volle erzählerische Wucht entfaltet.
Ich kann es kaum erwarten, eine Fortsetzung zu sehen, und bin extrem gespannt, wie diese Geschichte weitergeführt wird. So muss eine Superhelden-Serie aussehen, die von und für Fans der Comics gemacht wurde! Besonders Folge 5 ist ein absolutes Spektakel und hätte durchaus als Finale durchgehen können. Die eigentliche letzte Folge fällt zwar actiontechnisch deutlich ruhiger aus, ist aber dennoch absolut gelungen und bringt vor allem ganz zum Schluss noch einmal ordentlich Superhelden-Feeling mit sich.

Spoiler

Bereits weiter oben habe ich ja schon angedeutet, dass die Art wie Hal hier Porträtiert wird einen grund hat und gerade seine Ermordung hat mir da wiederum recht gegeben. Im Internet wurde heiß Diskutiert, dass Hal übel mitgespielt wurde und er falsch dargstellt wurde aber ich denke das stimmt nicht ganz. Nicht nur hat Hal genug Screentime bekommen um eine ordentliche eErzählung zu bekommen zu dem haben wir zwei Versionen bekommen. Wir sehen also wozu Hal geworden ist und wer er früher war.
Comic Fans können sich aber auch vielleicht denken was mit Hal noch geschehen könnte. Und hier kommen wir zu meiner Spekulation.
Hal könnte als Spectre oder Parallax wieder ins Spiel gebracht werden und das ganze könnte dann auf die beiden Comic Events Darkest Day und Brightest Night zulaufen. Würde ich extrem geil finden aber das baut man nicht einfach mal eben so auf und bedarf vor allem Fingerspitzengefühl. Ich denke aber mit Hals Tod wurde dadurch ein Grundstein gelegt.

Bereits weiter oben habe ich angedeutet, dass die Art, wie Hal hier porträtiert wird, einen bestimmten Grund hat – und gerade seine Ermordung hat mich darin nur bestärkt. Im Internet wurde heiß diskutiert, dass Hal übel mitgespielt und er falsch dargestellt worden sei, aber ich denke, das stimmt nicht ganz. Hal hat nicht nur genug Screentime bekommen, um eine ordentliche Geschichte zu erzählen, wir haben zudem zwei Versionen von ihm bekommen: Wir sehen, zu was Hal geworden ist, aber wir sehen auch, wer er früher einmal war, durch die Projektion des Rings.
Comic-Fans können sich vielleicht schon denken, was mit Hal noch geschehen könnte, und hier kommen wir zu meiner persönlichen Spekulation: Hal könnte als Spectre oder als Parallax wieder ins Spiel gebracht werden! Das Ganze könnte dann unweigerlich auf die großen Comic-Events Darkest Night und Brightest Day zulaufen. Das würde mir als Fan extrem gut gefallen, aber sowas baut man nicht einfach mal eben so auf und bedarf Fingerspitzengefühl. Ich denke jedoch, dass mit Hals Tod in dieser ersten Staffel genau dafür der Grundstein gelegt wurde.